Was nimmt uns Frauen die Kraft? Erlaube ich mir Grenzen?

Was nimmt uns Frauen die Kraft?

In diesem Blog möchte ich darauf aufmerksam machen, wie sehr wir Frauen uns immer noch auf der Verstandesebene befinden. Für uns ist das ein völlig normaler Zustand. Über Jahrhunderte haben wir uns mit dieser männlichen Energie identifiziert, wir kennen gar keinen anderen Weg. Wir hatten keine Vorbilder. Unsere Mütter, und deren Mütter zuvor haben ihre Intuition, ihre ursprüngliche weibliche Kraft, so tief verschüttet, dass wir Frauen heute immer noch zunächst unseren Gedanken glauben und nicht unserem Bauch. Wir vertrauen unserem Ur-Gefühl nicht, weil wir es so nicht gelernt haben und daher denken, es sei nicht richtig. Wir haben über Generationen unsere Kraft und Stärke an die Verstandesebene abgegeben. So ging unser Vertrauen in unsere Herzensstimme verloren.

Wenn wir aber dieser Stimme nicht folgen, werden wir unser Licht ständig selbst klein halten. Es fehlt uns an Handwerkszeug, wie wir dieses Licht wieder zum Brennen bringen. Und was wir verändern müssen, um in unsere Ur-Kraft zu kommen, und aus dieser heraus zu leben. Ich möchte mit meinen Blog-Fragen ein wenig Bewusstsein schaffen, welchen alten Mustern wir immer noch folgen, und wo wir selbst die Fäden in der Hand haben, um diese aufzubrechen.

Herzlichst
Eure Madeleine

 

Erlaube ich mir Grenzen?

In meinem letzten Blog-Beitrag „Fühle und formuliere ich meine wahren Gefühle“ habe ich bereits geschrieben, dass wir Frauen über Generationen nicht gelernt haben, dass uns negative Gefühle zustehen. Noch immer fühlen wir uns schlecht, wenn sich Wut oder Unbehagen in uns zeigt. Wir tragen eine Erblast unserer Mütter, Großmütter, und deren Mütter, dass wir uns in schwierigen Situationen zusammenreißen und unsere Bedürfnisse runterschlucken sollen. Mit diesem Erziehungsmuster haben wir verinnerlicht, dass wir Dinge aushalten müssen und sollen. Das hat dazu geführt, dass wir heute unsere eigenen Grenzen nicht rechtzeitig wahrnehmen. Und noch einen Schritt weiter: Dass wir uns diese zum Teil gar nicht erlauben.

Jeder Mensch besitzt seine eigenen individuellen Grenzen. Und niemand kann für uns bestimmen, wann diese erreicht sind. In diesem Blog gehe ich einen Schritt weiter, um deutlich zu machen, was diese alte übernommene Struktur mit unserer Grenzwahrnehmung gemacht hat. Wir Frauen versuchen Grenzen oftmals in unserem Kopf zu ziehen: Wir überlegen, wann es angebracht ist etwas zu sagen und wägen die Konsequenzen ab. Wir denken darüber nach, wann wir eine Grenze setzen, um ja weiterhin geliebt zu werden. Oder setzen sie nach langer Überlegung so zaghaft, dass sich unser Gegenüber aber hoffentlich noch wohlfühlt… ändern wird sich so aber kaum etwas.

Selbstliebe bedeutet Grenzen setzen

Dabei übergehen wir uns ständig selbst. Unser Gefühl zeigt uns genau, wo eine Grenze für uns erreicht ist. Die Kopfgrenzen sind oftmals weit entfernt von unseren wahren Gefühlsgrenzen. Und doch übernimmt meist der Kopf die Führung. Wir entfernen uns dadurch von uns selbst, von unserer Authentizität und unserer Selbstliebe. Selbstliebe bedeutet Grenzen setzen. Wenn wir zulassen, dass unsere Grenzen ständig überschritten werden, können wir unsere Energien kaum zusammenhalten. Man kann sich das vorstellen wie ein undichtes Fass, das kontinuierlich den Inhalt verliert.

Die Konsequenzen sind bitter: Wir stehen unter Strom, wir bekommen unser Leben nicht geordnet, wir werden unglücklich, haben keine Kraft mehr. Wir finden uns in ungesunden Beziehungen wieder, fühlen uns ausgenutzt, befinden uns in einer ständigen Opferrolle… die Liste geht endlos weiter. Im schlimmsten Fall brauchen wir jeden Abend Alkohol um uns von unserem nicht abgegrenzten Leben zu entspannen. Wenn wir uns Grenzen nicht erlauben, stellen wir unser eigenes Licht ständig unter den Scheffel. Selbst in der heutigen Zeit, wo wir alle Möglichkeiten haben ein freies selbstbestimmtes Leben zu leben, führen wir diese uns in Ketten haltenden alten Glaubensmuster fort.

Es darf uns gut gehen!

Bis hin zu sieben Ahnengenerationen sind in unserem Energiefeld gespeichert. Um diese alten Speicher aufzulösen, benötigen wir zunächst das Bewusstsein, dass wir Frauen in der westlichen Welt heute zwar in äußerer Freiheit leben, aber die innere noch nicht wirklich erreicht haben. Die Selbstverständlichkeit, dass wir jederzeit UNSERE Grenzen setzen dürfen, hat unser Verhalten noch nicht in gesunder Umsetzung durchdrungen.
Wir allein sind dafür verantwortlich, dass es uns gut geht. Oftmals erwarten wir von unserem Gegenüber, dass er/sie doch wissen müsste, dass es nun eigentlich zu viel für uns ist. Das wir mit unseren Aufgaben überfordert sind. Dass wir eine Pause brauchen. Oder dass wir von einer Aussage getroffen sind. Dass unsere Gefühle verletzt sind… Wir sind unter Umständen sogar beleidigt oder ziehen uns zurück, weil der andere unsere Not, unser Bedürfnis oder unsere Verletzung nicht erkennt.

Und dann sind da unsere eigenen Treiber, die gerne durch den Verstand zu uns sprechen: Lass aus Deinem Gefühlsstimmchen ja keine Stimme werden… Reiß Dich zusammen… Gefühle sind jetzt nicht erlaubt… Wenn du eine Grenze setzt, wirst du nicht mehr geliebt. Das Leben muss man in seiner Härte manchmal aushalten … Ach ja? Wollen wir das alles tief in unserem Herzen wirklich so?

Verschaffen wir unserer Stimme und auch unseren Stimmchen tief in uns wieder Gehör. Hören wir hin, wenn sich unsere Seele mit einem unguten Gefühl meldet, dass wir etwas nicht oder nicht mehr möchten. Sprechen wir ein deutliches NEIN aus und stehen zu unseren Gefühlen. Sie sind da um gefühlt zu werden, sonst gäbe es sie nicht. Also haben wir Achtung vor allem, was sich IN UNS bewegt. Leben wir im Einklang MIT uns und nicht gegen uns. Ein rechtzeitiges NEIN ist lebenswichtig für unseren Energiefluss. Hören wir auf zu überlegen, was unser Gegenüber oder die Umwelt von uns hält. Wir verlassen diese Erde nicht mit einem Orden auf der Schulter: „Hat unglaublich viel ausgehalten, hat Bootcamp Earth überlebt“, oder eben auch nicht.

Vertraue deinen Gefühlen

Wenn unser Gegenüber Schwierigkeiten hat mit unserem „Nein“, sollten wir versuchen uns davon nicht verunsichern zu lassen. Es ist wichtig, dass wir unseren eigenen Gefühlen wieder vertrauen und zu uns stehen. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun. Auch das ist ein fälschlicher Glaube, den wir noch in uns tragen. Denn das würde ja wieder bedeuten, dass uns unsere Bedürfnisse gar nicht zustehen. Und dann sind wir wieder im Hamsterrad gefangen, dass wir dann natürlich auch keine Grenzen setzen dürfen, und dass wir es aushalten müssen… STOP. Raus aus dem vererbten Brainwash, und rein in die eigene Erlaubnis.
Wir DÜRFEN uns gut fühlen, wir sind NICHT egoistisch, wenn wir Grenzen setzen, und wir können nur in unserer vollen Kraft strahlen, wenn wir für unsere eigene Energie Verantwortung übernehmen.

Es ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen umzusetzen ist. Sind wir geduldig mit uns und gehen auch hier nicht in die Überforderung. Aber laufen wir los, Schritt für Schritt hin zu uns selbst, zu unserem wahren Kern. Die Energien um uns herum werden beginnen sich neu zu sortieren, vor allem aber in uns selbst.

Text: Madeleine Bierbrauer

Heilpraktikerin für Psychotherapie